die (gar nicht so) bekannte geschichte:

„konstanze, freundin blonde und programmierer pedrillo sind während eines kurzen simsurfs im internet plötzlich und unvermutet im world wideweb verschwunden. spurlos, wie es scheint, bis eine überraschende e-mail pedrillos konstanzes geliebten belmonte darüber aufklärt, wo die verloren geglaubten sind. belmonte begibt sich augenblicklich in den suchsimulator, einzig bewaffnet mit einer werbe-cd-rom einer elektronikfirma, die ein geheim eingebranntes ressourcen-programm enthält, das pedrillo unbedingt braucht. wozu braucht! konstanze, blonde und pedrillo wurden bei einer ihrer lustfahrten durchs netz von einer unheimlichen, undurchschaubaren und nicht manifest zu machenden größe gefangengenommen, einem ominösen system `bassaselim´, das es entweder grundsätzlich darauf abgesehen hat, gefangene zu initialisieren (um sich deren digitale existenzen anzueignen), oder aber im besonderen konstanze als lebendiges screen- und liebesobjekt seines offenbar ausschließlich synthetischen daseins zu gewinnen. letzteres jedenfalls muss belmonte vermuten, als er - zwischen brennende laser und heimtückische orangepeels geklemmt - `bassaselim´ heimlich an dessen gewaltiger wonderwall belauscht, nachdem er sich über die homepage eines gewissen osmin in die `serail´ tools des `bassa´ eingeschleust hat. osmin jedoch, rechte hand und genialer systembetreuer von `bassaselim´, schützt nicht nur vor unerwünschten zugriffen `hergelaufner laffen´, er versteht sich auch sehr wohl aufs `köpfen und hangen´, was vor allem pedrillo zu spüren bekommt, indem osmin ein auge auf blonde, die freundin pedrillos, geworfen hat (`es sind die gepixelten bilder blondes, die osmin stimulieren, blonde zu begehren´). aber während sich das trio blonde-pedrillo-osmin im grunde mehr necken und hätscheln denn wirklich bekämpfen will, beginnt die aufgrund ihres wesens eher ernsthaftere konstanze ihre vermeintlich aussichtslose situation als gefährlich `endgültig´ zu interpretieren. so muss pedrillo die möglichkeit zur flucht, die durch das von belmonte mitgebrachte programm plötzlich realisierbar scheint, sehr unmittelbar und hastig wahrnehmen, indem er osmins alarmsystem (`da ist vielleicht ein code zuviel´) an den tödlichen pict-steps zu manipulieren versucht."

(joey wimplinger)

 

 

die idee

da nervt uns das sogenannte regietheater schon ständig mit mozartopern in imbissbuden - und jetzt noch eine „digital" und in irgendwelchen netzen!
muss denn das sein?

"eine zentrale entscheidung in diesem konzept lautet: wo verläuft der bruch zwischen der digitalen und der analogen welt? und ich habe ihn dorthin gesetzt, wo er für mich am herausfordendsten ist: nicht am rande der musik, in irgendwelchen neben- oder hintergrundgeräuschen, nicht am rande der bühne, durch eine begleitstory auf irgendwelchen monitoren, sondern mitten durch: mitten durch die musik, so entfaltet sich die spannendste dialektik zwischen analogem gesang und digitalem klangraum. und mitten durch die bühne: so begegnen menschen einem für sie völlig fremden system, manifestiert durch ein dichtes netz aus interfaces, projektionen, laser, monitoren, maschinen, kameras. um diese dialektik in beiden bereichen zu unterstützen, werden zudem die stimmen nur sehr vorsichtig verstärkt, sodass auch immer ihr natürlicher klang zu hören ist: wir spielen einen realistischen thriller, in dem gleichzeitig hoch artifiziell gesungen wird."

(hubert lepka im gespräch)

 

 

die musik

synthesizer-musik ist doch, gegen ein richtiges orchester, leblos, einförmig kalt!
"ein elektronisch erzeugter klang ist genauso lebendig wie der eines instruments. ich arbeite mit material aus drei ebenen: gesampelte instrumente aus der originalbesetzung, aber auch e-gitarre oder z. b. ziehharmonika; rein elektronisch erzeugte klänge; `geräusche´ – mit einer schere glas ritzen, mit einem locher an den metallenen papierkorb unter meinem schreibtisch klopfen, der unartikulierte laut meiner stimme. das ergibt reiches, vielfältiges ausgangsmaterial."


ein computer atmet nicht, sein rhythmus ist mathematisch präzis, steril, tot -und das für mozarts musik!

"das stimmt vielleicht an und für sich, aber wir sind einen ganz anderen weg gegangen. zuerst haben wir — mit einem konventionellen midi-klavier – eine atmende, artikulierte rhythmusspur aufgenommen, so wie ein (`menschlicher´) musiker sie spielt; dann wurde takt für takt, stimme für stimme die partitur eingespielt und jede einzelne note manuell mit dieser spur abgestimmt. aber selbst diese, nun – wie in einer geschriebenen partitur – genau übereinander stehenden noten klingen nie mathematisch simultan, gerade so wie in einem orchester nie eine ganze instrumenten-gruppe wirklich gleichzeitig spielt: elektronische instrumente haben oft drastisch verschiedene ansprech- und einschwingzeiten; so entsteht eine unscharfe, wenn man will, `leben´."

(peter valentin im gespräch)

 

 

die computer

konstanze kann doch niemals eine emotionale beziehung zu einem „blechtrottel" aufbauen - und sei er noch so schnell und mächtig!
"das spannende am system bassa selim ist ja gerade, dass es unmittelbar spricht, ohne umwege, ohne rücksicht auf eigene verluste: z.b. ich liebe dich, bleib' bei mir! es kennt kein tabu, keine grenze zwischen dem konventionell erlaubten – in dem belmonte extrem verfangen ist – und dem unterbewusst ersehnten, um dessen ausdruck konstanze in worten ringt, das mozart aber in unglaublicher musik direkt ausspricht: es ist die brücke, über die konstanze ihr leben, ihre liebe findet. (schließlich läßt mozart bassa selim auch im original nur sprechen, nie singen!) bassa selim ist der maximale inhalt, nicht form – es kümmert sich deshalb auch nicht um ein ausgefeiltes erscheinungsbild, eine benutzerfreundliche bildschirmoberfläche. sein interface ist eine offene tür zum trip in dein innerstes. bassa selim will, dass konstanze bei ihm bleibt, weil sie es als einzige nicht instrumentalisiert oder auszutricksen versucht, sondern als eben jene tür begreift: die `martern aller arten´ sind ihre eigene zerissenheit zwischen einem völlig bewussten und bedingungslos aufrichtigen leben in bassa selim, in dem nichts verborgen, verdrängt wird, und dem unklaren, konfliktbeladenen zusammensein mit einem besitzergreifenden, aber eben doch warmen, innig menschlichen geliebten."

(stefan aglassinger im gespräch)