palfingers tanzende kräne

this is not supposed to be here. was offenbar als widerspruch erscheint, wird durch diese bewegte skulptur im beispiel möglich: mechanisches leben. dabei sind die kräne keine intelligenten roboter,sondern eine art züchtung. aus industriellen palfinger kränen, die in langjährigen evolutionären prozessen auf ihre hebearbeit auf lastfahrzeugen angepasst wurden, züchtete ein team von ingenieuren ein neues geschöpf, das tanzen kann. und zwar nicht eine imitation menschlicher bewegung, sondern genuine krantänze zu krantanzmusik.

 

 

life

life ist eine art brettspiel des mathematikers john horton conway mit einer einzigen regel: für jede zelle auf dem gitter zählt man, wie viele der acht nachbarzellen im augenblick besetzt sind. sind es zwei, behält die zelle ihren zustand bei, sind es drei, wird die zelle unabhängig von ihrem jetzigen zustand besetzt sein. in allen anderen fällen ist sie im nächsten schritt leer. die gesamte physik der life-welt ist in diesem einen, ohne ausnahme gültigen gesetz eingefangen. (daniel c. dennett, "darwin´s dangerous idea", 224 ff, new york 1995, simon & schuster)


in dieser welt des einfachsten lebens gibt es geschöpfe, die sich entwickeln, fortpflanzen, die pulsieren, fressen und sterben. und das erstaunlichste ist: diese welt braucht keinen schöpfer. die zugrundeliegende regel ist derart einfach, dass sie ohne weiteres durch try and error in simplen systemen enstehen kann.
die leuchtenden quadrate an der oberfläche von la vie mécanique folgen zeitweise diesen regeln von life. ein spiel auf grösserer oberfläche mit komplexeren strukturen findet sich auf www.bitstorm.org/gameoflife/

 

 

copy - variation - selection

weiss gott (oder palfinger), menschen sind komplexer als kräne. aber wir ahnen, dass sie irgendwie nach einem ähnlichen muster, vieleicht einem universellen bauplan entstanden sein könnten. diese ahnung stellt sich als richtig heraus. das stärkste designwerkzeug ist nicht der machtvolle schöpfungsakt, sondern ein blinder algorithmus: kopie, variation und auswahl, der klassische dreischritt der evolution.
in den testlabors von palfinger wird augenscheinlich, wie dieses prinzip designarbeit leistet: in tausenden teststunden unter extremsten belastungen werden kräne auf ihre haltbarkeit geprüft, brechen sie, werden sie an der entsprechenden stelle verstärkt und redesignt.
kräne sind aber nicht nur ein musterbeispiel für, sondern auch ein symbol der evolutionstheorie. nicht himmelshaken heben einfache kreaturen auf ein höheres niveau im gestaltungsraum, sondern kräne, die selbst ein ergebnis der akkumulation von gestaltung sind.

für die emanzipation der kräne von ihrer aufgabe des hebens der ziegellast vom lastkraftwagen zur baustelle braucht es keine göttliche interventiion, sondern try and error. nun tanzen sie - wieder fremdbestimmt - im dienste einer anderen gestaltung.